- wbg Academic in der Verlag Herder GmbH
- 1. Auflage 2026
- Gebunden
- 156 Seiten
- ISBN: 978-3-534-64334-9
- Bestellnummer: P3643343
Tiertheologie aus der Nische geholt
Wie kommt man dazu, Tiere in die Mitte der Theologie zu rücken? Vier Theolog:innen rekonstruieren in diesem Band ihre je eigenen biographischen, intellektuellen und fachlichen Zugänge zu einem Thema, das sie nicht mehr loslässt. In ihrem Werkstattgespräch wird deutlich, dass die Perspektive auf die Tierwelten nicht lediglich ein zusätzliches Spezialthema darstellt, sondern die Grundkoordinaten theologischen Denkens insgesamt neu justiert.
Wie hängt die globale ökologische Krise mit der Frage nach dem Verhältnis von Tieren und Menschen zusammen? Wie politisch ist die Diskussion um Tiere? Was bedeutet es, wenn auch extrem rechte Kreise sich des Themas annehmen? Wie denken wir über die Verletzlichkeit von Lebewesen in der Natur nach, über Leben, Sterben und Töten – und zwar nicht nur natur- oder kulturwissenschaftlich, sondern ausdrücklich theologisch: im Horizont der Gottesfrage? Und was folgt daraus für eine Theologie, die sich den Verwerfungen des Anthropozäns nicht entziehen will ? Das Buch präsentiert keine abgeschlossenen Resultate und kein systematisch beruhigtes Lehrgebäude. Gerade darin liegt seine besondere Qualität: Es zeigt Theologie im Modus ihrer Entstehung, als einen offenen, suchenden und mitunter auch kontroversen Denkprozess, und zieht die Leser:innen in eine ebenso aktuelle wie grundlegende Debatte hinein.
Die vier Theolog:innen aus Bochum, Bonn, Aachen und Dortmund sind in ihren Bewertungen, Akzentsetzungen und methodischen Zugängen nicht einer Meinung. Sie nähern sich gemeinsamen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie teilen Gedanken über Pessimismus und Apokalyptik. Ist eine Theologie der Tiere utopisch – in einem guten oder in einem zweifelhaften Sinn? Sie erörtern die Bedeutung der Bibel in dieser modernen Diskussion. Sie zeigen, wie Tiertheologie und ökologische Theologie die großen Themen verändert: die Frage nach Schöpfung, nach Erlösung, nach Vollendung. Vor allem aber wird deutlich, dass die Gottesfrage selbst unter den Bedingungen der Gegenwart nicht mehr angemessen gestellt werden kann, wenn die Tierwelt weiterhin an den Rand theologischer Aufmerksamkeit gedrängt wird.
Damit ist dieses Buch mehr als eine Einführung in ein neues Forschungsfeld: Es ist ein Dokument gegenwärtiger theologischer Selbstverständigung, das vorführt, wie sehr die Auseinandersetzung mit der Tierwelt die Theologie herausfordert, irritiert und zugleich erneuert.


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