- wbg Academic in der Verlag Herder GmbH
- 1. Auflage 2025
- Gebunden
- 808 Seiten
- ISBN: 978-3-534-64072-0
- Bestellnummer: P3640729
Wege zur Schriftkultur
Die Literaturen der germanischen Sprachen entwickeln sich in einem jahrhundertelangen Prozess der Auseinandersetzung mit der lateinischen Sprache und Kultur: Runen orientieren sich am lateinischen Alphabet, römische Münzbilder werden adaptiert, erste schriftlich überlieferte Texte in den germanischen Sprachen bemühen sich um ein besseres Verständnis christlich-lateinischer Texte.
Das vorliegende Studienbuch zeichnet diese Entwicklung für die germanischen Sprachen (die Vorläufer des heutigen Deutsch, Englisch, Niederländisch, Dänisch, Isländisch, Norwegisch und Schwedisch) vergleichend nach. Damit ist gegenüber der älteren Forschung, die aus komparatistischen Studien vor allem eine ‚germanische Kultur‘ zu ermitteln versuchte, ein dezidiert anderer Fokus gesetzt: Wie bilden sich zeitversetzt und je spezifisch vernakulare Literaturtraditionen aus?
Der Band bietet eine kritische Einführung in das mit dem frühen Mittelalter traditionell verknüpfte Narrativ von ‚den Germanen‘, indem einerseits dessen Grundlagen in der römischen Geschichtsschreibung, andererseits dessen Rezeptionsgeschichte in der Neuzeit diskutiert werden. Ferner werden die einzelnen Medien (Mündlichkeit, Bilder, Runen, Schriftlichkeit) in eigenen Kapiteln vorgestellt. Auf die vergleichende Einführung in die Sprachen folgt eine Übersicht über die jeweiligen literarischen Anfänge. Schließlich werden in drei Schnittpunktkapiteln grundlegende kulturelle Aspekte wie Kommunikation, Zeitvorstellungen und Recht anhand von Beispieltexten aus der Überlieferung aller germanischen Sprachen vorgestellt.
Das interdisziplinäre Autor*innenteam (Geschichtswissenschaft, Archäologie, Linguistik, Anglistik, Germanistik, Skandinavistik) hat die Kapitel in wechselseitigem Lektorat verfasst, so dass die einzelnen Beiträge miteinander stark vernetzt sind. Die Inhalte werden einführend und verständlich so präsentiert, dass die Lektüre eine eigene Annäherung an die germanischen Sprachen, ihre Medien und Literaturen auch für Anfänger*innen ermöglicht. Das hier unter neuer Perspektive zusammengestellte Grundlagenwissen eröffnet zahlreiche Anschlussfragen. Sie demonstrieren, dass das frühe Mittelalter in Forschung und Lehre neue Aufmerksamkeit verdient.


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